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„Sei doch einfach mal du selbst und ganz authentisch“. 

Das sagt sich so einfach. Doch mal ehrlich: Möchten wir wirklich unsere schlechte Laune und unsere Abgründe voneinander wissen? Das richtige Maß an Authentizität ist eine Kunst und keine Zumutung.

Doch was bedeutet es, authentisch zu sein?

Und gibt es einen Unterschied zwischen authentisch sein und authentisch wirken?

Schauen wir uns dazu einmal den Alltag von Schauspielern an.

Eine Schauspielerin hat ein wichtiges Casting. Sie hat sich sehr intensiv mit der Rolle beschäftigt und gibt im Casting alles. Sie empfindet sich als total ehrlich, emotional und wahrhaftig. Doch der Castingdirektor sagt ihr: „Das ist mir zu künstlich. Sei doch einfach mal du selbst“.

Für die Schauspielerin ist dieser Satz der Horror. Denn sie weiß nicht, was damit gemeint ist und wie sie anders spielen soll. Aber sich versucht es noch einmal. Sie strengt sich wieder an, gibt alles. Aber sie empfindet sich dabei als gestresst und verkrampft. Doch der Castingdirektor ist begeistert: „Super! Großartig! Das war jetzt total authentisch!“.

Was passierte da genau?

Das, was der Castingdirektor erlebt hat, waren seine eigenen Gefühle, die von der Schauspielerin ausgelöst wurden. Denn sie ist für ihn eine Projektionsfläche, in die er seine eigenen Empfindungen hineinprojiziert. Ich kann das gar nicht oft genug betonen:

Wir sind füreinander alle ständig Projektionsflächen.

Zwischen dem, wie man sich selbst erlebt und wie einen die anderen erleben, gibt es also einen riesigen Unterschied. Das ist der Unterschied zwischen echt sein und echt wirken.

Was ist die Definition einer authentischen Person?

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“. Sie strahlt aus, dass sie zu sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen steht und im Einklang mit sich selbst handelt. Sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als ehrlich, stimmig, urwüchsig, unverbogen und ungekünstelt wahrgenommen wird – anders als Personen mit einem falschen Selbst.

Dabei muss es sich nicht um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln. Auch Zuschreibungen von Betrachtern können diese Eindrücke verursachen und als Teil einer gelungenen Inszenierung fungieren.

Sich selbst als authentisch zu erleben bedeutet, dass die Person gemäß ihrer eigenen Werte, Gedanken, Emotionen und Überzeugungen und Bedürfnisse handelt und lebt und sich nicht durch äußere Umstände/Einflüsse bestimmen lässt.

Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman unterscheiden vier Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit man sich selbst als authentisch erlebt:

  • Bewusstsein – Ein authentischer Mensch kennt seine Stärken und Schwächen ebenso wie seine Gefühle und Motive für bestimmte Verhaltensweisen. Dies setzt Selbsterkenntnis durch Selbst- und Fremdwahrnehmung und Selbstreflexion voraus, um sich seiner selbst und seines Handelns bewusst zu werden.
  • Ehrlichkeit – Hierzu gehört, der ungeschminkten Realität, das eigene Selbst betreffend, ins Auge zu blicken und auch unangenehme Rückmeldungen zu akzeptieren.
  • Konsequenz – Ein authentischer Mensch handelt nach seinen Werten und Überzeugungen. Das gilt für die gesetzten Prioritäten und auch für den Fall, dass er sich dadurch Nachteile einhandelt. Kaum etwas wirkt verlogener und unechter als ein Opportunist.
  • Aufrichtigkeit – Authentizität beinhaltet die Bereitschaft, sein wahres Selbst, mit seinen positiven wie negativen Seiten, in sozialen Beziehungen offen zu zeigen und nicht zu verleugnen.[12]

Aha! Jetzt wissen wir also, dass es durchaus sein kann, dass du dich als authentisch verstehst, die anderen das aber nicht unbedingt tun und umgekehrt. Wir haben auch gehört, dass man Authentizität gestalten ja inszenieren kann.

Authentizität in Musik und Kunst

Betrachten wir einmal Musik und Kunst ganz allgemein. Alles in der Kunst ist gestaltet und inszeniert. Gerade in der Schauspielkunst erleben wir bestimmte Darstellungen als zutiefst berührend und authentisch. Was bedeutet das also für dich? Es geht nicht darum, authentisch zu sein, sondern authentisch zu wirken.  Der Schlüssel hierfür ist die Kenntnis deiner Projektionsfläche.

Was sehen die anderen in dir? Welche Gefühle, Eigenschaften und Fähigkeiten projizieren sie in dich hinein?

Denn jeder von uns projiziert die ganze Zeit.

Beobachte dich einmal selbst, wenn du auf der Straße bist und andere Menschen betrachtest. Innerhalb von Bruchteilen von Sekunden stellst du Bewertungen auf: Du findest andere sympathisch, unsympathisch, streng, locker, glücklich, unglücklich, erfolgreich, weniger erfolgreich, kompetent, weniger kompetent, einfühlsam, verschlossen ….

Wir machen uns ein Bild von den anderen. Und andere machen sich ein Bild von dir. Wenn du jedoch deine Projektionsfläche kennst, kannst du damit arbeiten.

Wie kannst du also herausfinden, was andere in dir sehen?

Mit diesem Thema habe ich mich über viele Jahre beschäftigt. Es ist für Schauspieler:innen absolut notwendig, ihre Projektionsfläche zu kennen, weil sie dafür besetzt werden. Darüber schreibe ich im Blogbeitrag Wie du deinen WOW Faktor erkennen kannst ausführlich.

Kenne deine Wirkung auf andere

Ich habe in den letzten Jahren dazu eine sehr effektive, einfache und erfolgreiche Methode entwickelt, wie genau du dein Selbst- und Fremdbild abgleichen kannst.

Dieser Abgleich gibt dir eine große Sicherheit. Du kennst dadurch deine Wirkung auf andere und kannst sie gestalten.

Das hat große Vorteile für dich:

  • Du bist sicher.
  • Du weißt, wie du authentisch wirkst, du musst dich nicht mehr fragen, was die anderen in dir sehen.
  • Du erfährst eine neue Freiheit, weil du weißt auf welche Aspekte deiner Persönlichkeit du dich verlassen kannst. 
  • Du gewinnst an Lockerheit.

Das ist vor allem für Menschen wichtig, die nicht gerne in der Öffentlichkeit stehen oder sich selbst als zurückhaltend, schüchtern, introvertiert bezeichnen.

Einmal kam ein Geschäftsführer einer großen Küchenstudio-Kette zu mir. Er sollte mehr repräsentative Aufgaben übernehmen und hatte darauf überhaupt keine Lust, weil er eben nicht gerne in der Öffentlichkeit auftrat. Im Abgleich von Selbstbild und Fremdbild erkannte er, dass die Menschen ihn als anpackenden, beschützenden Gentleman wahrnehmen.

Dass er anpackend und beschützend wahrgenommen wird, stimmte mit seiner Einschätzung überein. Er hatte sich selbst aber nicht als Gentleman gesehen. Seine elegante, höfliche, großzügige und angenehme Art war für ihn ein Augenöffner. Logisch wollte man ihn als Gesicht der Firma! Der Typ ist einfach großartig.

Die Tatsache, dass er das verstanden hat, führte bei ihm zu einer völlig neuen Gelassenheit. Er sagte einfach JA zum Gentleman. Er sagte JA, ein Gentleman zu sein. Das fiel ihm nicht schwer, denn er war ja einer. Ab dem Zeitpunkt machte er sich keinen Kopf mehr. Er sagte JA zu sich in jedem Moment und zeigte das, was die Menschen an ihm so lieben, in seinem Auftreten.

Dein authentischer Auftritt ist eine Kunst

Authentisch sein und authentisch wirken sind zwei verschiedene Aspekte. Wenn du in der Öffentlichkeit bist, dann bist du eine Projektionsfläche. Nur wenn du weißt, wie du wirkst, kannst du deine Wirkung steuern. Ich hoffe, dieser Beitrag hat dir Lust darauf gemacht, diese zu gestalten.   

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