Eines Tages kam Herr K, Finanzdirektor eines Energiekonzerns, zu mir mit dem Anliegen, bei Präsentationen und in Meetings authentischer und gewinnender aufzutreten. Ich bat ihn, mir eine übliche Präsentation zu zeigen und erlebte einen emotionslosen Vortrag  eines unnahbaren Menschen, der mir nüchterne Fakten präsentierte. Ich fragte ihn, ob er seinen Vortrag bewusst so emotionslos gestalte und warum. Er erklärte mir, dass er so auftreten müsse, denn das signalisiere Professionalität. Als ich ihn fragte, was für ihn Professionalität bedeutet, antwortete er, unnahbar, emotionslos, faktisch und nüchtern. Das wird von ihm als Führungskraft so erwartet und zeugt von Autorität und Souveränität.

Bei Herrn K. können wir sehr genau beobachten, welche Hindernisse den Aufbau von Vertrauen im beruflichen Kontext erschweren.

Wir halten uns die anderen vom Leib

Unsere Arbeitswelten sind gekennzeichnet von Konkurrenz, Wettkampf, Leistungsdruck und Gewinnmaximierung. Der Einzelne als austauschbares Rädchen in einem großen Getriebe muss funktionieren, sonst ist man weg vom Fenster. Die Angst vor Jobverlust und fehlende berufliche Anerkennung ist verbunden mit der Angst, nicht dazuzugehören und abgehängt zu werden. Der weit verbreitete Irrglaube, dass Konkurrenz zu einer kollektiven Leistungssteigerung führt, erzeugt Gegnerschaft und Härte im beruflichen Alltag. Bloß keine Schwäche zeigen und sich angreifbar machen.

Wir alle haben Angst vor Verletzung. Ob beruflich oder privat. Und wir alle haben Erfahrungen gemacht, die uns verletzt haben, meist von Menschen, die wir nahe an uns rangelassen haben oder denen wir sogar vertraut haben. Daher haben wir verschiedenste Strategien entwickelt, wie wir Verletzung und Ablehnung vermeiden können.

Wir müssen uns voreinander schützen, denn sonst gehen wir unter.

Das ist die Welt aus der wir kommen und darauf bauen die Erfahrungen von vielen auf: plötzliche Kündigung, Mobbing oder Krankheit, weil man dem Druck nicht mehr standhält. Eine hierarchisch organisierte Kultur, in der sich nur die Starken durchsetzen und wo man Ellbogen braucht, um voranzukommen.

Dies wird noch verstärkt durch globale Veränderungen: Digitalisierung, Klimawandel und Ressourcenknappheit, die von vielen als existentielle Bedrohung und Angriff auf ihr Leben wahrgenommen werden.

Die Folge sind ANGST, VERUNSICHERUNG, PANIK und ein kollektiver Vertrauensverlust. Noch nie habe ich so vielfältige Verschwörungstheorien gehört: Dunkle Mächte, die im Hintergrund die Fäden ziehen, um uns zu manipulieren und  auszunutzen. Wir sind ausgeliefert in einem gigantischen Krieg mächtiger Interessen.

Angst Verunsicherung und Panik führen zu einer Kultur der kollektiven Gegnerschaft

Rette sich wer kann!

Wenn Du den Menschen zuhörst, wirst Du feststellen, dass ihre Ängste größer werden, weil die Zukunft nicht mehr zu fassen, zu planen und sicher zu stellen ist. Sie wissen nicht, wo und wie sie zukünftig arbeiten werden, ob die heutigen Berufe morgen noch existieren oder ob ihr Arbeitsplatz durch Roboter ersetzt wird. Sie wissen nicht, wie das Unternehmen, in dem sie arbeiten, plant und sich für die Zukunft aufstellt. Sie wissen nicht, was sie ihren Kindern mit auf den Weg geben können und wie sie die Zukunft ihrer Kinder sicherstellen können. Sie wissen nicht, ob sie sich den hart erarbeiteten Lebensstandard morgen noch leisten können. Sie stehen unter einem enormen, sich ständig steigernden Druck und einem latenten Überlebenskampf, der fatale fatalistische Folgen hat.

„Vielleicht kann ich jetzt noch was rausholen, wer weiß, wie lange das hier noch geht.“ oder  „Nach mir die Sintflut.“

Unsicherheit und Angst sind starke Treiber für Aggression und Gewalt und führen zu einer Kultur der kollektiven Gegnerschaft. Potenziell ist jeder andere, vor allem anders Denkende, eine Bedrohung. Die Auswirkungen erleben wir täglich auf Social Media, im Wahlverhalten und in einer zunehmend rücksichtslosen und von menschlicher Kälte geprägten Kommunikation. Wie können wir damit umgehen und die Hindernisse überwinden, die uns davon abhalten, vertrauensvoll miteinander zu arbeiten und zu leben?

positive leadeship schafft Vertrauen

Bist Du bereit, Verantwortung zu übernehmen?

Ich stelle Dir diese Frage so direkt, weil es dabei um Deine persönliche Entscheidung geht, etwas bewirken zu wollen und Neues zu wagen. Und weil das eine Entscheidung des Herzens ist.

Herr K. konnte sich im Coaching seinen Ängsten stellen und hat erkannt, wenn er die anderen so freundlich betrachtet wie seinen eigenen Sohn, dann gewinnt er auch seine Mitarbeiter und kann eine positive Führungsrolle einnehmen.

Positive Leadership ist verbunden mit einem inneren Commitment und der Bereitschaft, sich zu verbinden, mit sich selber und mit allen anderen. Denn es geht um nichts Geringeres, als den Aufbau neuer Kulturen des Gemeinsamen und diese vorzuleben und voranzutreiben. Das ist die einzige Antwort auf die Angst.

Die nachhaltige Etablierung von Vertrauen und Nähe im beruflichen Kontext brauchte eine neue Avantgarde an Führungskräften, die bereit sind, sich ihren eigenen Ängsten zu stellen und sie zu überwinden. Es gilt mit Liebe und Begeisterung die eigene kreative Power einzusetzen, um gemeinsam neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln und eine positive Welt zu prägen.

Deine Zeit ist jetzt!

In meinem letzten Artikel habe ich darüber geschrieben, warum Nähe und Vertrauen ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.

In meinen nächsten Blogartikeln zeige ich Dir auf,

  • wie Du eine Kultur für  Vertrauen schaffen kannst
  • was positive Leadership ausmacht,
  • welche Skills und Fähigkeiten dazu gehören,
  • was Du dabei von Schauspielern lernen kannst.

Wie erlebst Du Angst im beruflichen Kontext und wie gehst Du damit um? Ich freue mich über Deine Kommentare.

2 Antworten zu “Vorsicht Angst! – Wie schaffen wir Vertrauen?”

  1. […] Welche Hürden verhindern, dass Vertrauen und Nähe entstehen kann […]

  2. […] Blogartikeln habe ich darüber geschrieben, dass Nähe und Vertrauen ein Erfolgsfaktor sind und in Vorsicht Angst! wie uns die Angst blockiert. In meinen nächsten Blogartikeln zeige ich Dir […]

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